Genauso hab' ich mir das vorgestellt! Ich entscheide mich dafür, beruflich zu schreiben, und - ich
habe tatsächlich Arbeit. Und zwar im Augenblick mehr, als ich einfach so "mit links" bewältigen kann. Nun beschränkt sich das hochtrabende "ich schreibe beruflich" zwar noch auf Auftragsarbeiten, die den Titel Autorin noch lange nicht rechtfertigen. Aber immerhin. Es kommen Aufträge (viele) und es kommt Geld (wenig). Ob ich irgendwann davon (gut) leben kann? Das kann ich nicht voraussagen. Dann wäre ich ja auch Hellseherin und nicht Texterin. So heißt dieser Job nämlich. Das, was ich schreibe, nennt sich Content, also Inhalt. Inhalt für Blogs, für Webseiten. Inhalt in Form von Produktbeschreibungen und Werbetexten. Ob der Inhalt auch inhaltsreich ist, das sei mal dahingestellt...
Auf meinem Schreibtisch respektive Desktop häuft sich aktuell ein kunterbuntes Gemisch von Themen, die in den nächsten 48 Stunden in Worte umgewandelt werden müssen: Abwechslungsreich von A wie Allgemeine Hinweise zur Direktversicherungsnutzung bei Kindergeldbezug bis Z wie Zahnriemenwechsel - so geht's schnell und einfach. Irgendwo in der Mitte tummeln sich noch so nette Vorgaben wie Kosmetik für Männer und Reizwäsche für die Frau. Zu gerne hätte ich hier Erfahrungsberichte, wer die größeren Erfolge einfahren kann: Der Kosmetik benutzende, vielleicht sogar geschminkte Männ oder die Reizwäsche tragende Frau. Obwohl, irgendwie kann ich's mir schon denken...
Auf der Strecke bleibt dabei fast das kreative Schreiben. Trotzdem bin ich da auch ein Stück weiter gekommen. Bei meiner Schreibtischgeschichte ist die nächste Fortsetzung fast fertig. Man beachte das "fast";-)). Der kleine Schreibtisch wird von seiner ersten Nacht im Hause Quinsley berichten.
Warum schreibe ich? Weil ich es gerne mache, weil ich es liebe. Weil mich Buchstaben, Worte, Bücher seit jeher faszinieren. 26 Buchstaben hat unsere Sprache. Wörter? Unzählige. Und das, was sich aus diesen Wörtern zusammenstellen lässt, die Welten, die aus diesen Worten erschaffen werden können, das alles ist unendlich. Nicht messbar. Mit jeder Sekunde wächst die Menge der geschriebenen Wörter weiter an. Die Faszination bleibt.
Samstag, 22. Januar 2011
Samstag, 15. Januar 2011
Meine erste gedruckte Blume!
Vor ein paar Wochen habe ich für eine Kundin mehrere kurze Texte zum Thema "Vampire" verfasst. Nach Abgabe, Prüfung und Annahme hat sie mich darauf angesprochen, ob ich Lust hätte, eine Vampirgeschichte für eine Anthologie zu schreiben. Der Begriff Anthologie stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt "Sammlung von Blumen". Eine Anthologie enthält Erzählungen verschiedener Autoren bzw. eine themenbezogene Zusammenstellung aus literarischen, musikalischen oder grafischen Werken. Wir alle hatten schon mal eine Anthologie in der Hand, das gute alte Lesebuch ist nämlich nichts anderes.
Ich nahm die Herausforderung an und schrieb eine Vampirgeschichte. Vorgaben: eine Länge zwischen acht und fünfzehn Seiten, als Inspiration sollte die Musik von Muse oder deren Texte dienen, und nach Möglichkeit sollte man nichts Twilight-Ähnliches schreiben. Das war ein gewisses Risiko, denn ich habe keinen einzigen Biss-Roman gelesen, musste also darauf vertrauen, dass mir etwas Twilight-Unähnliches einfällt.
Ich habe gebrütet und gegrübelt, was ich denn schreiben könnte. Ideen tauchten auf und verschwanden wieder, Vampire und Menschen flatterten durch meine Gedanken, Entwürfe und Pläne wurden aufgeschrieben und verworfen. Aber allmählich nahm die Geschichte Gestalt an. Letztes Wochenende war es dann soweit: Ich schrieb das letzte Wort und schickte die Erzählung per E-Mail auf die Reise. Gespanntes Warten, dann: Die Geschichte ist angenommen und wird veröffentlicht, und zwar über Edition Worthexe.
Ich schätze mal, irgendwann im Frühjahr. Genau der richtige Zeitpunkt für meine erste gedruckte Blume!
Ich schätze mal, irgendwann im Frühjahr. Genau der richtige Zeitpunkt für meine erste gedruckte Blume!
Dass ich mich total darüber freue und seitdem ein winziges bisschen über dem Boden schwebe, brauche ich glaub ich nicht extra zu sagen...
Die Vampiraktion hat meine anderen privaten Schreibereien ein wenig ins Abseits gedrängt, deshalb ist der kleine Schreibtisch, obwohl eigentlich ausgelüftet, wieder mal stinkig. Naja, so ist das eben. Ein Schreibtischleben ist kein Wunschkonzert!
Freitag, 31. Dezember 2010
Guten Rutsch mit: Des kleinen Schreibtischs Schlittenfahrt
Der kleine Schreibtisch ist beschwipst,
denn heut' ist doch Silvestern!
Sein Schreibtischbein ist eingegipst,
und das passierte gestern.
Ja, gestern ist er ausgebüxt
aus seinem Wohnschlafzimmer.
Er dachte sich: "Verdammt, verflixt,
warum soll ich denn immer
alleine in der Stube hocken,
ich möchte was erleben!"
Und machte sich schnell auf die Socken,
hinaus ins raue Leben.
Niemand bemerkte seine Flucht,
er war allein zuhause.
Der Schreibtisch ließ nix unversucht,
er macht' die große Sause.
Es purzelte der kleine Tropf,
neugierig und putzmunter,
mit einer Mütze auf dem Kopf,
die steile Stiege runter.
Draußen lagen Eis und Schnee.
Der Schreibtisch guckte lange.
Das Weiß tat in den Augen weh,
und fast wurde ihm bange.
Beim ersten Schritt schon wär beinah'
am Eis er ausgeglitten.
Er blickte um sich, bis er sah:
Dort hinten steht ein Schlitten.
"Oh, ein Gefährt aus Buchenholz!
Da ist der Fall doch klar.
Auf geht die Fahrt, was bin ich stolz!
Den Berg hinunter, wunderbar!"
Er rodelte den Berg hinab.
Dem Schreibtisch wurde mau.
Er sauste rasend schnell bergab.
Dem Schreibtisch wurde flau.
Zu guter Letzt: ein schwerer Sturz.
Das Bein war ab, der Schreibtisch schrie,
und ihm entwich vor Schreck ein Furz,
er schrie noch mehr, und wie!
Bis endlich dann die Hilfe kam,
der Notarzt war zur Stelle.
Der sagte nur: "Nun bist du lahm,
und ich werde dir schnelle
das Bein mit Leim mal wieder kleben,
mit Gips es bandagieren.
Sei froh, du bist ja noch am Leben!
Doch wie ich seh, am Frieren!
Zurück ins Haus mit dir, du Schlingel!"
Der Notarzt schleppt' den Tisch zum Haus
und drückte heftig auf die Klingel.
"Lassen Sie den nicht wieder raus!
Das wird für ihn gefährlich.
Viel besser bleibt er brav zu Haus.
Denn, seien wir mal ehrlich:
Ein Schreibtisch, der gehört nicht raus!"
Für'n Schreibtisch gab's nun Tee mit Rum,
um ihn schnell warm zu machen.
Dazu viel liebes Drumherum
und andre feine Sachen.
So trinkt er nun seit gestern
abwechselnd Rum mit Tee und Rum,
voll abgefüllt dann an Silvestern,
guckt fröhlich er im Raum herum.
Zwar ist sein Beinchen eingegipst,
jedoch: er hat kaum Schmerzen.
Der kleine Schreibtisch wünscht beschwipst
aus seinem tiefsten Herzen:
Ein rundum gutes neues Jahr!
Auf, lasst die Korken knallen!
Auf dass es werde wunderbar,
drauf stoß ich an mit Allen!
Allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr!
Das Copyright für alle meine Gedichte liegt bei mir. Du kannst sie aber gerne privat verwenden.
Das Copyright für alle meine Gedichte liegt bei mir. Du kannst sie aber gerne privat verwenden.
Montag, 27. Dezember 2010
Rückblicke - Der Erlebnisaufsatz und ich
In einem meiner früheren Beiträge ist zu lesen: „Ich habe immer schon gern geschrieben“. Das stimmt so nicht ganz. Es entfallen meine ersten sechs Lebensjahre, in denen ich noch gar nicht schreiben konnte. Aber dann...dann konnte ich lesen, dann lernte ich schreiben. Schulzeit. Nein, ich bin nicht immer gerne in die Schule gegangen, das jetzt hier zu behaupten, wäre schlichtweg gelogen. Ich hasste das frühe Aufstehen (damals genauso wie heute), und es gab einiges in der Schule, worauf ich liebend gern verzichtet hätte. Rechnen zum Beispiel. Oder Turnen. Aber es gab auch Fächer, die ich liebte. Eben das Fach, in dem man hauptsächlich las und schrieb. Zwar langweilte ich mich am Anfang manchmal (weil ich schon lesen konnte), aber das gab sich nach ein paar Wochen. Schreiben lernen begeisterte mich dagegen. Hingebungsvoll malte ich Buchstaben und träumte davon, selber Geschichten zu schreiben. Daran war in der ersten Klasse natürlich noch nicht zu denken, aber ich übte, ich übte ganz fleißig. Leider blieb damals meine Fähigkeit, mich auszudrücken, noch weit hinter meiner Phantasie zurück. Also schrieb ich die meisten Geschichten im Kopf. Und eines Tages war es in der Schule soweit: Wir schrieben Aufsätze.
Der Aufsatz, von vielen meiner MitschülerInnen gefürchtet und verabscheut, wurde von mir innig geliebt. Themen wie „Meine letzten Ferien“ oder „Mein Haustier“ entfachten meine Fantasie und ließen Wörter aus mir heraussprudeln, oft schneller, als ich sie aufschreiben konnte. Der Aufsatz heißt Aufsatz, weil man erst etwas aufsetzen muss, einen Entwurf machen, eine Planung, eine Gliederung. Diese Vorgehensweise übernahm ich notgedrungen, weil meine Lehrerin sonst nicht zufrieden gewesen wäre. Aber immer wieder versuchte ich, diese Anweisung zu umgehen. Denn eigentlich lief es bei mir so ab:
Bekanntgabe des Themas: „Als ich mich einmal richtig gefürchtet habe“
Du meine Güte, einmal? Ich fürchtete mich doch ganz oft! Im Keller, vor Spinnen, wenn ich was angestellt hatte, vor der alten Frau aus dem dritten Stock, die immer so böse schaute, vor der spiegelglatt gebohnerten Treppe, die ich letzte Woche hinuntergefallen war, vor ... Es nahm kein Ende, es gab so vieles, worüber ich schreiben wollte!
Alle anderen in der Klasse saßen da, starrten auf ihr leeres Papier, einige malten sorgfältig die Worte Einleitung, Hauptteil, Schluss auf ihr Blatt. Andere kauten am Bleistift. Ich überlegte mir, dass die meisten über ähnliche Dinge schreiben würden wie ich. Vor dem Keller zum Beispiel hatten viele Angst. Im Keller lagerten Holz und Kohlen, es war dunkel, an der Decke hing eine einsame, funzlige Glühbirne, die nur ein trübes, schwaches Licht verbreitete. Im Keller hausten Spinnen. Fast niemand ging da gern hinunter. Ich wollte aber nicht einfach nur über einen dunklen Keller schreiben. Ich wollte auch nicht nur über eine große Spinne schreiben. Ich wollte eine richtige Geschichte schreiben.
An der Tafel stand das Thema, darunter: Drei Seiten. Drei Seiten! Auf diesem lächerlichen, groß linierten Papier! Ein Witz, was sollte ich mit drei Seiten? Vor mir lag ein Blatt, in der Mitte gefaltet, sodass es vier Seiten mit großen fetten Linien ergab, für die „Reinschrift“ und ein einzelnes, auf dem ich „aufsetzen“ sollte. Das ergab zusammen sechs Seiten. Wenn ich nicht dabei erwischt wurde, dass ich nicht aufsetzte, könnte ich sechs Seiten vollschreiben. Immer noch zu wenig, aber ich schrieb besonders eng. Ich setzte nicht auf, ich schrieb sofort los, und ich schrieb nicht mit Bleistift, sondern gleich mit dem Füller. Eine Reinschrift in 40 Minuten. Ich wusste schon vorher, wie es ausgehen würde, aber ich konnte nicht anders.
Aus dem Thema, meinen Gedanken und Ängsten und den sechs leeren Seiten bastelte ich eine wilde Geschichte. Das Thema änderte ich ab in: „Als ich mich einmal richtig gefürchtet habe und dabei fast gestorben wäre“.
In Kürze: Ich musste in den Keller, für den Ofen Holz holen, im Kellerabteil nebem unserem hörte ich die alte Frau, wie sie mit jemandem sprach, den ich nicht sehen konnte, es war zu finster. Ich packte schnell das Holz in den Korb und rannte wieder hinauf. Vor unserer Wohnungstür stellte ich den Korb ab, die alte Frau keuchte die Treppe herauf, in der Hand hielt sie ein kleines Stoffbündel, in dem etwas zappelte. Ich klingelte, klopfte, niemand machte auf. Die alte Frau lachte mich aus und griff mit ihrer knochigen Hand nach mir. Sie zerrte mich die Treppe hinauf, ein Stockwerk höher, in ihre Wohnung. Dort geschahen fürchterliche Dinge. Ich hatte noch drei leere Seiten, Mist, der Platz wurde schon wieder knapp. Immer hatte ich zu wenig Papier! Und zu wenig Zeit! In dem Zappelbündel war – was sonst – eine große Spinne, eine absolute Riesenspinne, und dann musste ich einen ganz schrecklichen Tee trinken, der bitter schmeckte. Mir wurde schwindlig, die Riesenspinne richtete sich auf ihren Hinterbeinen auf, die alte Frau lachte böse. Eine Seite noch, und die Stimme der Lehrerin: In fünf Minuten ist Schluss! Ich schrieb immer enger, nutzte den Raum zwischen den Zeilen auch noch aus, ich musste unbedingt noch unterbringen, wie die Spinne zur Teetasse krabbelte, und wie die alte Frau dann...und überhaupt, es fehlten noch jede Menge Details, die ich nachträglich einfügen wollte. In der Reinschrift durfte man vergessene Stellen mit * und *) ergänzen, ich war jetzt schon bei ****** und ******). So wenig Platz, so wenig Zeit, ich musste doch unbedingt noch...
ENDE. Neben mir stand meine Lehrerin und streckte die Hand aus. Ich sah sie bittend an, sie schüttelte den Kopf. „Du musst jetzt abgeben!“ Ich schob die Blätter zusammen, murmelte noch „ich bin aber noch nicht fertig“ und gab ab. Über das Ergebnis, die Note, die solche Werke erhielten, und über die schriftliche Bemerkung, die meine Lehrerin verfasste (auf einem Extrablatt, ich hatte ja keinen Platz übrig gelassen), breite ich jetzt mal diskret den Mantel des Schweigens...
Dienstag, 21. Dezember 2010
Drei Tage bis Weihnachten...
Drei Tage noch? Drei Tage nur!
Ich bin schon längst neben der Spur.
Muss noch soviel Päckchen packen
und gar noch einmal Plätzchen backen!
Die ersten sind schon aufgegessen,
ach, was red' ich, weggefressen
hat sie mir die Rasselbande,
welche Schande, welche Schande!
Also nochmal ran ans Blech,
an den Händen klebt wie Pech
Eigelb, Zucker, Mehl und Fett.
Das finde ich so gar nicht nett....
Lieber schnell zum Bäcker laufen
Standardfertigkekse kaufen,
Kipferl, Hörnchen und Makronen,
die den Einkauf halbwegs lohnen.
Dann mal ran an die Geschenke!
Ob ich auch an jeden denke?
Oder doch mal wen vergesse...
Nein! Denn schon aus Interesse,
ob sich der Beschenkte freut,
stricke, bastle, kauf' ich heut'
viele schöne Weihnachtssachen,
die bestimmt viel Freude machen.
Ist dem nicht so, hm, na dann
tauschen wir sie irgendwann
um gleich nach der Stillen Nacht.
Hauptsach', Weihnacht' Freude macht!
Das Copyright für alle meine Gedichte liegt bei mir. Du kannst sie aber gerne privat verwenden.
Ich bin schon längst neben der Spur.
Muss noch soviel Päckchen packen
und gar noch einmal Plätzchen backen!
Die ersten sind schon aufgegessen,
ach, was red' ich, weggefressen
hat sie mir die Rasselbande,
welche Schande, welche Schande!
Also nochmal ran ans Blech,
an den Händen klebt wie Pech
Eigelb, Zucker, Mehl und Fett.
Das finde ich so gar nicht nett....
Lieber schnell zum Bäcker laufen
Standardfertigkekse kaufen,
Kipferl, Hörnchen und Makronen,
die den Einkauf halbwegs lohnen.
Dann mal ran an die Geschenke!
Ob ich auch an jeden denke?
Oder doch mal wen vergesse...
Nein! Denn schon aus Interesse,
ob sich der Beschenkte freut,
stricke, bastle, kauf' ich heut'
viele schöne Weihnachtssachen,
die bestimmt viel Freude machen.
Ist dem nicht so, hm, na dann
tauschen wir sie irgendwann
um gleich nach der Stillen Nacht.
Hauptsach', Weihnacht' Freude macht!
Das Copyright für alle meine Gedichte liegt bei mir. Du kannst sie aber gerne privat verwenden.
Rückblicke – Hurra, sie kann lesen!
Wozu ein Blog, wenn ich nichts reinschreibe? Nun, die letzten Wochen war es einfach Zeitmangel. Um aber den guten Vorsatz, hier täglich zu schreiben, nicht bis auf den allgemeinen Tag der guten Vorsätze, den ersten Januar, zu schieben (und dann den Vorsatz doch nicht zu halten), gönne ich mir jetzt mal eine Pause vom Alltag und schaue ein wenig zurück, zurück in die Jahre, in denen ich lesen und schreiben lernte.
Schon als Kind faszinierte mich die Tatsache, dass schwarze Zeichen auf weißem Papier einen Menschen so fesseln konnten, dass ihm alles andere unwichtig war. Natürlich kannte und hatte ich Bilderbücher. Aber die wurden schnell langweilig, Bilder interessierten mich nicht so sehr. Und das bisschen Text, das konnte ich nach dreimal Vorlesen auswendig. Ich entdeckte in unserer Wohnung Bücher und Zeitungen, mit vielen, vielen schwarzen Zeichen. Diese schwarzen Zeichen erzählten spannende Geschichten, das stellte ich sehr schnell fest. Immer wieder bettelte ich: Was steht denn da, was heißt das, bitte lies es mir vor! Ich war begeistert, dass bedrucktes Papier soviel berichten konnte. In der Zeitung standen täglich schlaue Sachen: Wie das Wetter wird, was man einkaufen konnte, über Menschen, die Fußball spielten, über andere Menschen, die an mir unbekannten Orten irgend etwas machten, ich wollte alles wissen, was in der Zeitung stand. Bücher waren noch besser, darinnen befanden sich Märchen und Geschichten.Nur einen Haken hatte die Sache: Ich brauchte eben einen Vorleser. Geduldige und willige Opfer fand ich in meinem Großvater und meiner Uroma. Andere Familienmitglieder flüchteten oft, wenn ich ein Buch anschleppte...diese beiden Lieben aber lasen geduldig vor. An dieser Stelle: Ein riesengroßes Dankeschön! Leider konnten und wollten sie nicht unbegrenzt vorlesen, was ich als Kind gar nicht verstehen konnte. Es wurde Zeit, dass sich was änderte!
Den Prozess des Lesenlernens rang ich meinem Großvater ab. Mit den ersten erlernten Buchstaben formte ich nach und nach Wörter. Zuerst ganz kurze, Opa schrieb vor und ich fuhr mit dem Finger nach.
Den Prozess des Lesenlernens rang ich meinem Großvater ab. Mit den ersten erlernten Buchstaben formte ich nach und nach Wörter. Zuerst ganz kurze, Opa schrieb vor und ich fuhr mit dem Finger nach.
Schwere Kämpfe hatten wir mit au, ei, und eu, aber ich gab nicht auf. Andere Hürden tauchten auf, wir nahmen eine nach der anderen. Beständig war ich auf der Suche nach Lesbarem. Die alten Bilderbücher gaben nicht viel her, sie boten einfach viel zuwenig Stoff. Aber es gab Gegenstände im alltäglichen Leben, auf denen Buchstaben waren. Einer davon war die Kondensmilchdose. Und mein erstes langes Wort war: Bärenmarke.
Nachdem ich den Kampf mit den Buchstaben zum ersten Mal in meinem Leben gewonnen hatte, sich die schwarzen Zeichen zu Wörtern, die Wörter zu Sätzen und die Sätze zu einer Geschichte geformt hatten, ging ein Aufatmen durch die gesamte vorlesegeplagte Familie. Sie kann lesen!
Das hielt allerdings nicht lange vor, denn wir hatten nur die Rollen vertauscht. Bisher hieß es: Lies mir was vor, bitte! In dem Fall konnten sie bestimmen, wie lange die Lesestunde dauern sollte.
Aber nun verdrehten sie die Augen, wenn ich daherkam, mit einem Buch oder der Zeitung in der Hand, denn sie mussten stillsitzen und mir zuhören. Ich verstand die Welt nicht mehr. Für mich war es die größte aller Freuden gewesen, wenn mir jemand vorlas, warum nur freuten sie sich nicht auch? Sie brauchten doch nur da zu sein und mir zuzuhören! Diese Phase dauerte aber nur wenige Wochen, zum Glück für alle Beteiligten.
Das hielt allerdings nicht lange vor, denn wir hatten nur die Rollen vertauscht. Bisher hieß es: Lies mir was vor, bitte! In dem Fall konnten sie bestimmen, wie lange die Lesestunde dauern sollte.
Aber nun verdrehten sie die Augen, wenn ich daherkam, mit einem Buch oder der Zeitung in der Hand, denn sie mussten stillsitzen und mir zuhören. Ich verstand die Welt nicht mehr. Für mich war es die größte aller Freuden gewesen, wenn mir jemand vorlas, warum nur freuten sie sich nicht auch? Sie brauchten doch nur da zu sein und mir zuzuhören! Diese Phase dauerte aber nur wenige Wochen, zum Glück für alle Beteiligten.
Denn bald entdeckte ich, dass es noch viel spannender war, leise und alleine zu lesen. Es ging auch viel schneller. Mein erstes selbstgelesenes Buch, damals war ich noch nicht ganz 6 Jahre alt, noch nicht in der Schule, hatte schätzungsweise 100 Seiten, Großdruck, und handelte von einem kleinen Mädchen und einem noch kleineren schwarzen Hund. Hoffentlich willst du jetzt nicht auch einen Hund haben, sagte meine Mama, wenn ich mich stundenlang ins Buch verkroch. Nein, ich wollte keinen Hund. Ich wollte mehr Bücher!
Nur diese Familie - der konnte ich einfach nichts recht machen. Sie fingen an, ihre Bücher vor mir zu verstecken. Dafür bist du noch zu klein, war nun die neue Devise. Ich las trotzdem alles, was ich in die Finger bekam. Und ein neuer Wunsch tauchte auf: Ich wollte schreiben.
Montag, 29. November 2010
Der kleine Schreibtisch erzählt – Der Einzug bei Lady Quinsley
Pfffff....also nochmal gaaaaanz langsam, ICH BIN EIN SCHREIBTISCH, deshalb wär's nett, wenn hier mal jemand was schreiben würde!
(*besserwissermodusan* Das heißt Kommentar! *besserwissermodusaus*)
Aber anscheinend lesen wenigstens ein paar Leute hier mit ... und ich hab auch schon Sternchen unter meiner Geschichte gesehen, das freut mich sehr! Dankeschön! *knickserlmach*
Und deshalb erzähle ich auch weiter:
Der kleine Schreibtisch erzählt – Der Einzug bei Lady Quinsley
Ich hatte mich nicht getäuscht. Die Tür ging auf, und Lady Quinsley trat heraus. Hinter ihr erschien ein Mann mit weißen Haaren, die waren vorne ganz lang und hinten ganz kurz. Er sah sehr merkwürdig aus. Ich musste lachen, als ich ihn zum ersten Mal sah. Er strich sich die weißen Haare aus der Stirn, darunter hatte er graue Augen, eine gebogene Nase und ganz schmale Lippen. Der Mann lachte nicht, er sah aus, als ob er überhaupt nicht lachen konnte. Ich lachte dagegen umso mehr, als der Mann an Lady Quinsley vorbei ging und die Treppe herabstieg. Ich vermutete, er hätte ein Brett verschluckt, so gerade hielt er sich. Er blickte zu mir her, und ich war gleich wieder ganz still, nicht dass er noch dachte, ich würde ihn auslachen. Eine Hand hatte er hinter seinem Rücken versteckt, bei der anderen war ich mir nicht sicher, ob diese Hand ganz in Ordnung war. Die einzelnen Finger waren versteckt in einem weißen Stoff. Handschuhe, ja, ja, ich weiß es inzwischen! Damals wusste ich es eben noch nicht.
Mit einem dieser versteckten Finger deutete er aufgeregt hin und her. Er redete dazu furchtbar schnell. Die beiden Männer vom Ochsenkarren machten „hmm“ und „öh“ und „äh“. Der Weißhaarige redete immer lauter und immer schneller, dabei wurde sein Gesicht furchtbar rot. Dazu wippte er auf und ab, während er immer mehr mit der Hand in der Luft herumfuchtelte. Er sah aus, als würde er gleich umfallen, und ich befürchtete, das verschluckte Brett könnte den Aufprall nicht aushalten. Doch dann ging alles ganz schnell. Der Weißhaarige stolzierte die Treppe wieder hinauf und öffnete die Tür jetzt ganz. Es war eine sehr breite Tür, darüber war ich froh. Ich wollte in das Haus hinein und dabei keine Schrammen abbekommen. Sicher, ich war noch gut eingepackt, aber man wusste ja nie. Die Ochsenkarrenmänner packten mich jeder an einer Seite und hoben mich von der Ladefläche herunter. Dabei verrutschte meine Umhüllung, und ich konnte nichts mehr sehen. Ich bedauerte das ganz außerordentlich. Dennoch beschwerte ich mich nicht und hielt ganz still, während mich die beiden Männer auf dem Weg vor dem Haus abstellten. Neben mir hörte ich das Schnauben der Ochsen, dann ein platschendes Geräusch, so ähnlich wie in der Werkstatt, wenn der Geselle seinen Putzlappen in den Wassereimer warf.
Blind und dumm wie ich war, dachte ich mir nichts dabei, bis mir ein fürchterlicher Gestank in sämtliche Schubladen drang. „Öha“, hörte ich einen der Männer sagen, „auf geht's!“ Sie hoben mich wieder an und trugen mich die Treppe hinauf. Da hörte ich Lady Quinsleys liebliche Stimme, die jetzt gar nicht mehr so lieblich klang. „Den Dreck eurer Ochsen beseitigt ihr, auf der Stelle! Ochsendung vor meinem Haus, das dulde ich nicht!“ Aha. So war das also. Offenbar hatte sich einer der Ochsen auf dem Weg erleichtert, oder sogar beide. Deshalb roch es auch so fürchterlich. Ich war ja so froh, dass ich kein Ochse war und keine solchen Platschdinge machen musste!
Ich wurde durch die Tür getragen, wir bogen um eine scharfe Ecke, das spürte ich, weil ich leicht kippte. Dann ging es eine weitere Treppe hinauf. Oben wieder ein Stück geradeaus, noch um eine Ecke, bis ich abgesetzt wurde. „Ein Stückchen nach links“, hörte ich Lady Quinsley sagen, „nein, nicht so weit, wieder ein wenig nach rechts, genau zwischen die beiden Fenster!“
Die Ochsenkarrenmänner brummten und schoben mich hin und her, bis Lady Quinsley zufrieden war. Dann hörte ich sie mit ihren schweren Stiefeln davon trampeln.
„George!“, sagte Lady Quinsley. „Der Schreibtisch kann dann ausgepackt werden. Und wir wollen die Fenster öffnen, damit der Geruch abziehen kann. Er riecht ja schrecklich. Mary soll ihn gründlich putzen!“ Ich zuckte unter meiner Verpackung zusammen. Ich und schrecklich riechen? Das war nicht ich, was hier so roch! Das war der Geruch vom Ochsenplatsch, der noch in Lady Quinsleys Nase hing, genauso wie in meinen Schubladen! Ich war doch frisch poliert, mit Bienenwachs! Wie gern hätte ich ihr gesagt, dass ich nicht der stinkende Übeltäter war. „Sehr wohl, Mylady, sehr wohl“, antwortete die Stimme des Weißhaarigen. Jetzt sprach er langsamer, sodass ich ihn verstehen konnte. „Neuerwerbungen vom Land riechen oft etwas .... degoutant.“
Es tat mir so leid, dass ich nicht sprechen konnte. Sehen konnte ich auch immer noch nichts. Mein Geruchssinn war noch intakt. Leider, muss ich sagen. Jetzt, wo keine frische Luft und kein Wind mehr um mich herum waren, roch ich es auch. Es roch nicht nur nach Ochsenplatsch, nein, auch die Stoffe, in die ich eingepackt war, rochen nicht wirklich gut. Oh, ich schämte mich. Bestimmt hatte Lady Quinsley ein wunderschönes Zimmer, und darin stand jetzt ich, der kleine Stinker. George und Lady Quinsley besprachen weitere Dinge, die ich nicht richtig verstand, es sollte wohl noch mehr im Zimmer gemacht werden. Ich hörte Worte wie Kandelaber, er sollte geputzt und poliert werden, und Portiere, sie hing schlampig irgendwo herunter und musste neu befestigt werden. Es war auch die Rede von einer Chaiselongue (ich wusste lange Zeit nicht, wie man das schreibt), sie musste dringend neu bezogen werden und auch die Kissen waren nicht im rechten Zustand. Lady Quinsley bemängelte eins nach dem anderen, und George antwortete jedes Mal: „Sehr wohl, Mylady, sehr wohl“.
Ich schämte mich noch mehr, weil ich so dumm war und so viele Dinge nicht kannte. Dann verließen beide das Zimmer, und ich hörte nichts mehr. Nun war ich alleine. Mir war sehr warm in meiner Umhüllung, und der Geruch vom Ochsenplatsch wollte einfach nicht vergehen. Vielleicht war ein Spritzer auf meiner Verpackung gelandet, würde durch die Stoffe dringen, bis an mein poliertes Holz, ich würde immer so stinken, Lady Quinsley würde sehr unzufrieden mit mir sein und mich hinauswerfen lassen. Ich begann zu weinen, weil ich so allein und verlassen war und so schlecht roch und weil ich nichts sehen konnte und gar nichts mehr hörte und überhaupt.... Ich schluchzte leise vor mich hin, bis ich vor Erschöpfung einschlief.
Fortsetzung folgt!
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